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Interview mit Dipl.-Ing. Thomas Schöberl, Geschäftsführer der Pro Ingenieurberatung, Teil 2

07. September 2010 (us) Der Gründer und Kopf der 'Pro Ingenieurberatung' Thomas Schöberl steht Rede und Antwort zu Konzept und Methodik der Managementberatung für Ingenieure. Diskutiert wird, warum ein Umdenken in der Industrie bei der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse dringend erforderlich ist und welche Mittel dabei eingesetzt werden können.

Frage: Kommen wir zu den fachlichen Inhalten. Worin bestehen die Probleme, denen Sie sich widmen?

Thomas Schöberl: Sehen Sie, die heutige Standardproblematik besteht darin, dass man in allen Bereichen von Forschung und Entwicklung, angefangen bei der Grundlagenforschung bis hin zur industriellen Entwicklung von Produkten und Prozessen stets denselben Fehler begeht: man ignoriert, dass man es mit extrem hochdimensionalen und damit für die menschliche Vorstellungskraft im Grunde viel zu komplexen Dingen zu tun hat. Diesen Umstand zu ignorieren ist menschlich, denn die Ursache dafür liegt in der Psyche. Wenn man für eine Problemstellung keine Lösung sieht, zieht man es vor, es zu ignorieren. Und die Lösung für dieses sehr grundlegende Problem ist weithin unbekannt.

Frage: Ist das so?

T.S.: Ja, das ist ganz leicht zu erkennen. Ein Beispiel. In Projektbesprechungen finden Sie heute allerorten endlos viele zweidimensionale x-y-Diagramme, die das Verhalten von irgend einem Detail des untersuchten Systems abbilden sollen. In x variiert man etwas einen Eingangswert, in y seht man die Antwort des Systems in Form eines Ausgangswertes. Man muss sich, so hart das sein mag, von diesen liebgewonnenen Diagrammen trennen! Sie sind ein Symptom des Problems. Denn so lange Vorgesetzte von Entwicklern erwarten, dass sich jeder beliebig komplexe mehrdimensionale Zusammenhang in einem einfachen zweidimensionalen x-y-Diagramm hinreichend abbilden lassen muss, werden weiter teuere Fehlentscheidungen von großer Tragweite getroffen werden. Man muss sich klar machen: das Verhalten komplexer Systeme kann prinzipiell nicht adäquat in herkömmlichen x-y-Diagrammen dargestellt werden -- oder jedenfalls nur dann, wenn man in Kauf nehmen möchte, dass man auf diesen Diagrammen nichts erkennen kann, was zum Erfolg des Projektes beitragen kann; vielleicht sogar gefährliche Fehlinformationen dabei entstehen. Diese Praxis ist weit verbreitet aber ärgerlich fehlerhaft.

Frage: Was haben Sie gegen Diagramme?

T.S.: Nichts. Aber sie sind für die hauptsächlichen Fehler, die tagtäglich gemacht werden symptomatisch, sie zeigen das grundlegende Missverständnis, das tagtäglich Kosten verursacht sozusagen bildlich. Denn sie stehen für die falsche Denkweise, die implizit voraussetzt, dass sich jedes komplexe technische Problem tatsächlich auf eine Eingangs- und eine Ausgangsgröße, x und y in dem Diagramm reduzieren lässt, ohne relevante Information zu verlieren. Das ist geradezu abwegig, wird aber trotzdem noch immer sehr häufig so gemacht. Damit erzeugt man gefährlichen und missverständlichen Unsinn, aus dem wiederum nur noch mehr Falsches entstehen kann. Die Chancen, ein komlpexes hochdimensionales System unter dieser Denkweise erfolgreich zu untersuchen, das die in der Technik heute üblichen zwei Dutzend Eingangs- und Ausgangsgrößen umfasst, stehen sehr schlecht. Die Konsequenz: Optimierung durch Zufall und Glück. Aber das ist wohl kaum das Mittel der Wahl, wenn wir von vielen Tausend oder gar Millionen von Euro an Entwicklungskosten für ein Produkt oder einen Prozess reden.

Frage: Was hat das für Folgen?

T.S.: Vielfältige. Wenn Sie etwas entwickeln, dann wollen Sie in kürzester Zeit ein optimales Ergebnis erzielen. Doch in dem beschriebenen mehrdimensionalen Hyper-Heuhaufen ist es gar nicht so einfach, die sprichwörtliche Nadel, also diese bestimmte Kombination aus den vielen Parametern, die zuweilen auch noch miteinander interagieren, zu finden, die Ihr Produkt oder ihren Prozess optimal werden lässt. Man muss sogar feststellen: oft genug ist das in endlicher Zeit kaum menschen-möglich. Daher scheitern viele Entwicklungsprojekte oder kommen nach der doppelten oder dreifachen Laufzeit zu unbefriedigenden Ergebnissen. Dass diese Projekte scheitern ist aber nicht nur das Verschulden der Entwickler oder der Techniker! Entscheidend ist in der Regel, dass das Projekt von Anfang an falsch angegegangen wurde, indem die zentrale Natur des Problems, nämlich seine Multidimensionalität komplett ignoriert wurde. Man muss also zunächst zweierlei akzeptieren: 1. dass einem zweidimensionale x-y-Diagramm keinen nennenswerten Nutzen bringen und 2. dass man andere Methoden und Werkzeuge einsetzen muss um sich Problemen multidimensionaler Art zu nähern und sie zu lösen. In der Praxis wird das noch viel zu wenig berücksichtigt.

Frage: Worin besteht der Ausweg? Gibt es einen?

T.S.: Ja, den gibt es, deswegen sitzen wir hier zusammen. Entscheidend ist zuerst einmal die gewonnene Erkenntnis, dass die bisher eingesetzten Entwicklungsmethodiken nicht ausreichend sind. Das macht den Weg frei, zu neuen innovativen Herangehensweisen. Dann kommen wir ins Spiel. Wir können Werkzeuge und Arbeitsweisen zur Verfügung stellen, die das skizzierte Dilemma komplett aufzulösen vermögen. Wir helfen das gesamte Untersuchungsprojekt von Anfang an korrekt zu planen und die richtigen Werkzeuge, Software und Methoden einzusetzen, die schnell und zwingend zum Ziel führen. Wir bringen neue Auswertemethoden ins Spiel, die klare und eindeutige Ergebnisse erzeugen und unterstützen dabei in Hinblick auf Optimierung, Prognose und Nachhaltigkeit der Erkenntnisse die richtigen Wege zu beschreiten.

Frage: Ist das alles?

T.S.: Nein. Aus der skizzierten Arbeitsweise, die für sich selbst bereits direkte Erfolge hervorbringt, ergeben sich weitere Vorteile, die mittelfristig die Entwicklung eines Unternehmens revolutionieren. Bislang z.B. werden Messdaten, die in jeder Entwicklung an Prototypen und bei Langzeitversuchen anfallen für teueres Geld zuerst ermittelt, dann nach einer fadenscheinigen Auswertung in einem Balkendiagramm zusammengefasst und anschließend -- das muss man sich mal vorstellen! -- vergessen, nicht selten sogar einfach gelöscht. Selbst wenn man die Daten speichert, erleben wir immer wieder, dass sie so schlecht dokumentiert sind, dass sie nach kurzer Zeit keinen Wert mehr haben. Nächstes Produkt, dasselbe beginnt wieder von vorn. Wie wäre es, wenn man statt die teueren Daten wegzuwerfen, sie speichern und beim nächsten Produkt sozusagen als Datenbasis wiederverwenden könnte? Wäre das nicht großartig? Man würde die teueren Messdaten in einer ganz anderen Weise als zuvor verwerten können! Wie das geht, das können wir vermitteln.

Frage: Was bringt die Rezyklierung alter Daten?

T.S.: Das ist ein auf dem oben skizzierten Weg der Datenermittlung und -auswertung aufbauendes Prinzip. Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln ein Produkt. Der Normalfall ist, dass ein anderer Kunde eine Variante des Produktes will, oder einfach die nächste Generation von Produkten eine Variante darstellt. Da unklar ist, wie sich die notwendigen Designänderungen auf die Funktion und erst recht auf die Haltbarkeit auswirken werden, muss man viele Versuche mit der neuen Variante machen. Versuche, die dem Zweck dienen, das Verhalten des Produkts von Grund auf zu untersuchen. Die Datenbasis auf die man sich dabei stützen kann sind, obwohl es keine Neuentwickung ist, ist im Grunde gleich Null. Einzig die Entwickler der Ursprungsversion beanspruchen eine gewisse Prognose- und Deutungshoheit als Experten. Mit anderen Worten: sie wollen vorhersagen können, was passieren wird. Dieser Zustand ist im Grunde unbefriedigend, weil der Erfolg der Variante beinahe ausschließlich von den Experten und der Richtigkeit ihrer Einschätzung abhängt. Wenn die Testläufe nicht das gewünschte Ergebnis erbringen, nehmen die Probleme erheblich zu, nicht selten breitet sich Panik aus, denn Termine müssen eingehalten werden und das wird zunehmend unrealistisch. Nicht nur erweisen sich die Prognosen der Experten zum Teil als fehlerhaft, nun muss man sich eingestehen, dass man bei dem neuen Design komplett im Dunkeln tappt und ebenso wenig über das System weiß, wie bei einer kompletten Neuentwicklung.

Frage: Und was wollen Sie zu diesem Zustand beitragen?

T.S.: Nicht weniger als ihn beenden. Wir können einmal erarbeitetes Detailwissen so speichern, dass es später wiederverwendet werden kann. Mit nur wenigen zusätzlichen Untersuchungen kann eine konkrete Prognose für das neue, zu untersuchende System abgegeben und so die Entwicklung der Variante entscheidend beschleunigt werden. Die Messdaten werden nicht mehr für den einen Fall, sozusagen 'für heute' ermittelt, sondern bereichern das im Unternehmen verfügbare Wissen über alle Produkte und ihre Varianten. Es entsteht ein täglich wachsender Wissensschatz, der, je weiter er fortschreitet, umso schlagkräftiger wird. Ziel ist es, nach einiger Zeit nur noch Untersuchungen durchzuführen, die die Vorhersage des Datensatzes bestätigen. Ergebnisse dieses Vorgehens: 1. weniger notwendige Versuche, 2. eine valide Datenbasis für Variantenentwicklungen, 3. eine nachhaltige Nutzung von aufwändig und teuer erarbeiteten Versuchsdaten, 4. Zahlen und Daten statt unscharfer Expertenmeinungen, 5. Berechnung von Optimalpunkten und Prognosen für das Systemverhalten. Die Liste ist fortführbar. Es ist wie Licht und Schatten.

Frage: Klingt ein bisschen wie Magie...

T.S.: Nur angewandte Mathematik und etwas Software. Sie kennen das Zitat von Arthur C. Clarke: 'Highly developed technology is indistinguishable from magic.'

Frage: Wieso ist das dann noch nicht überall im Einsatz?

T.S.: Einige Unternehmen setzen bereits stark auf diese Methodik. Aber das ganze hat durchaus eine politische Dimension. Wir haben täglich damit zu tun, dass Menschen zunächst den Paradigmenwechsel ablehnen. Das ist völlig normal und natürlich. Aber dieses Hinderniss muss überwunden werden, wenn man den Erfolg haben will. Wesentliche Entscheider und Experten müssen sich eingestehen, in der Vergangenheit suboptimal gearbeitet zu haben. Das tut niemand gerne, aber das ist genau das, worum es geht.

Frage: Aber damit schlagen Sie vielen, auch hochdekorierten Personen den Fehdehandschuh ins Gesicht.

T.S.: Das ist nicht unsere Absicht, bringt eine innovative Haltung aber mit sich. Aber Fortschritt beginnt stets mit der Autarkie, das Bestehende anzuzweifeln. Fortschritt ist überhaupt nur möglich, wenn man die charakterliche Größe besitzt und damit in der Lage ist sich einzugestehen, dass man bisher in gewisser Hinsicht geirrt hat und sich daher fortentwickeln muss. Auch wenn das nie gern gesehen wird, besonders nicht von den etablierten Vertretern der etablierten Lehre, so ist es doch notwendiger Teil des Fortschritts. Die Dinge entwickeln sich heute viel schneller als die Generationen aufeinander folgen. Damit ergibt sich das Problem, dass man Menschen einsehen müssen, ihre bisherigen Arbeitsweisen einer Überarbeitung zu unterziehen. Wir sind für diesen Diskurs gut gewappnet.

Frage: Herr Schöberl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

zum Interview Teil 1

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für zukunfts- und erfolgsorientierte Arbeitsweise, für Effizienz, Resultate und Erfolg

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